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§13b UStG — Reverse Charge im Bauwesen

Wie funktioniert Reverse Charge im Bauwesen: Voraussetzungen §13b UStG, Freistellungsbescheinigung, Bauabzugsteuer und korrekte Rechnung ohne MwSt.

11 min Lesezeit

Was ist Reverse Charge (§13b UStG)?

Reverse Charge — auf Deutsch Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers — ist ein Verfahren zur Umkehrung der Umsatzsteuerschuldnerschaft. Bei einer regulären Transaktion berechnet der Leistungserbringer die Umsatzsteuer auf der Rechnung und führt sie an das Finanzamt ab. Beim Reverse-Charge-Verfahren ist es umgekehrt: Die Pflicht zur Abführung der Umsatzsteuer geht vom Leistungserbringer auf den Leistungsempfänger über.

In der Praxis bedeutet das:

  • Der Leistungserbringer stellt eine Rechnung ohne Umsatzsteuer (nur Nettobetrag)
  • Der Leistungsempfänger berechnet die geschuldete Umsatzsteuer selbst und führt sie an das Finanzamt ab
  • Der Leistungsempfänger kann gleichzeitig den Vorsteuerabzug geltend machen

Dieses Verfahren dient der Vermeidung von Steuerbetrug und der Sicherstellung einer korrekten Umsatzsteuerabrechnung, insbesondere in der Baubranche mit ihren oft langen Subunternehmerketten.

Wichtig: Die Regelung des §13b UStG für Bauleistungen wurde bis zum 31.12.2026 verlängert.


Voraussetzungen für §13b Abs. 2 Nr. 4 UStG

Reverse Charge im Bauwesen gilt nicht automatisch für jede Transaktion. Es müssen alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

Art der Leistung — Bauleistungen

Die Regelung gilt ausschließlich für Bauleistungen, also:

  • Herstellung von Bauwerken
  • Instandsetzung und Wartung
  • Umbau und Modernisierung
  • Änderung der Bausubstanz
  • Beseitigung (Abriss) von Bauwerken

Was ist KEINE Bauleistung?

Nicht jede Leistung im Zusammenhang mit dem Bau qualifiziert sich als Bauleistung. Ausgenommen sind:

  • Planungsleistungen — architektonische und ingenieurtechnische Leistungen
  • Überwachungsleistungen — Bauleitung, Qualitätskontrolle
  • Rein geistige Beratungsleistungen im Zusammenhang mit dem Bau

Status des Leistungsempfängers — 10%-Grenze

Der Leistungsempfänger muss ein Bauunternehmer sein, der selbst Bauleistungen erbringt. Es gilt die sogenannte 10%-Grenze:

  • Mindestens 10% des Umsatzes des Leistungsempfängers müssen aus Bauleistungen stammen
  • Bezogen auf den Umsatz des vorangegangenen Kalenderjahres
  • Der Leistungsempfänger kann seinen Status mit einer Bescheinigung USt 1 TG vom Finanzamt nachweisen

Nur B2B

Reverse Charge gilt ausschließlich für Geschäfte zwischen Unternehmern:

  • Beide Parteien müssen Unternehmer im Sinne des UStG sein
  • Gilt nicht für Privatpersonen (Verbraucher)
  • Gilt nicht, wenn der Leistungsempfänger als Privatperson handelt, auch wenn er ein Unternehmen führt

Bauabzugsteuer — 15% Einbehalt (§48 EStG)

Neben Reverse Charge gibt es einen zweiten Sicherungsmechanismus des Fiskus: die Bauabzugsteuer nach §48 EStG.

Wie funktioniert die Bauabzugsteuer?

  • Der Auftraggeber (Leistungsempfänger) behält 15% des Bruttobetrags der Rechnung ein
  • Den einbehaltenen Betrag führt er direkt an das Finanzamt ab
  • Der Auftragnehmer erhält nur 85% des Rechnungsbetrags
  • Der einbehaltene Betrag wird auf die Steuerschuld des Auftragnehmers angerechnet

Wen betrifft es?

Die Bauabzugsteuer betrifft alle Bauleistungen, die im Inland erbracht werden, unabhängig davon, ob der Auftragnehmer ein deutsches oder ein ausländisches Unternehmen ist. Die Einbehaltungspflicht liegt beim Auftraggeber.

Wie vermeidet man den Einbehalt?

Der Auftragnehmer kann die Bauabzugsteuer vermeiden, indem er eine Freistellungsbescheinigung vorlegt — ein Zertifikat zur Befreiung vom Steuerabzug. Erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie dieses Zertifikat beantragen, im Artikel Freistellungsbescheinigung — Wozu und wie beantragen.


Freistellungsbescheinigung (§48b EStG)

Die Freistellungsbescheinigung ist ein vom Finanzamt ausgestelltes Zertifikat, das den Auftragnehmer vom 15%igen Bauabzugsteuer-Einbehalt befreit. Damit erhält der Auftragnehmer den vollen Rechnungsbetrag.

Wie beantragt man die Freistellungsbescheinigung?

  • Der Antrag wird beim zuständigen Finanzamt des Auftragnehmers gestellt
  • Formular: USt 1 TG
  • Einreichungswege: über ELSTER (elektronisch), per E-Mail, telefonisch oder schriftlich
  • Das Finanzamt erteilt die Bescheinigung, wenn keine Steuerrückstände bestehen

Gültigkeit

  • Maximal 3 Jahre
  • Kann auch projektbezogen ausgestellt werden (bis zum Projektabschluss)
  • Nach Ablauf ist ein erneuter Antrag erforderlich

Echtheitsprüfung

Der Auftraggeber sollte die erhaltene Bescheinigung überprüfen:

  • Online-Verifizierung auf der Website des BZSt (Bundeszentralamt für Steuern)
  • Vor der ersten Zahlung und regelmäßig während der Zusammenarbeit
  • Die Verifizierung schützt den Auftraggeber vor der Haftung für nicht einbehaltene Bauabzugsteuer

Korrekte Rechnung mit §13b UStG

Eine Rechnung unter Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens muss alle Anforderungen des §14 UStG erfüllen, allerdings mit wesentlichen Unterschieden bei der Umsatzsteuer. Die vollständige Liste der Pflichtangaben finden Sie im Leitfaden Rechnung in Deutschland ausstellen.

Pflichtangaben auf der Rechnung

  • Angaben zum Leistungserbringer: vollständiger Name, Anschrift, Steuernummer oder USt-IdNr
  • Angaben zum Leistungsempfänger: vollständiger Name und Anschrift
  • Rechnungsnummer: fortlaufend, GoBD-konform
  • Ausstellungsdatum und Leistungsdatum
  • Leistungsbeschreibung: detaillierte Beschreibung der erbrachten Bauleistungen
  • Nettobetrag: Wert der Leistung ohne Umsatzsteuer

Steuersatz und Pflichthinweis

  • Steuersatz: 0% — auf der Rechnung wird keine Umsatzsteuer ausgewiesen
  • Kein Steuerbetrag — nur der Nettobetrag
  • Pflichthinweis auf der Rechnung:

„Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers gemäß §13b UStG"

Das Fehlen dieses Hinweises auf der Rechnung kann sowohl für den Leistungserbringer als auch für den Leistungsempfänger bei einer Prüfung durch das Finanzamt zu Problemen führen.

Häufige Fehler

  • Ausweis von 19% statt 0% — der Leistungsempfänger kann die zu Unrecht berechnete Umsatzsteuer nicht abziehen
  • Fehlender Hinweis auf §13b — unvollständige Rechnung
  • Anwendung von Reverse Charge auf Leistungen, die keine Bauleistungen sind
  • Anwendung gegenüber einem Leistungsempfänger, der die 10%-Grenze nicht erfüllt

§19 UStG (Kleinunternehmerregelung) und Reverse Charge

Neue Grenzen ab 01.01.2025 (JStG 2024)

Seit dem 1. Januar 2025 gelten durch das Jahressteuergesetz 2024 neue Umsatzgrenzen für Kleinunternehmer:

  • 25.000 EUR netto Umsatz im Vorjahr (zuvor 22.000 EUR brutto)
  • 100.000 EUR netto im laufenden Jahr (zuvor 50.000 EUR brutto)
  • Die Grenzen werden jetzt anhand der Nettobeträge berechnet, nicht mehr brutto

Kleinunternehmer und Rechnungen

Ein Unternehmer, der die Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) anwendet:

  • Weist keine Umsatzsteuer auf seinen Rechnungen aus
  • Führt keine Umsatzsteuer an das Finanzamt ab
  • Hat keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug

Vorrang des §13b vor §19 UStG

Hier gilt eine wichtige Regel: §13b UStG hat Vorrang vor der Kleinunternehmerregelung.

Das bedeutet:

  • Wenn der Leistungsempfänger die Voraussetzungen des §13b erfüllt (Bauunternehmer, 10%-Grenze), dann gilt Reverse Charge auch dann, wenn der Leistungserbringer Kleinunternehmer ist
  • Der Kleinunternehmer als Leistungserbringer stellt eine Nettorechnung mit dem Hinweis auf §13b aus
  • Der Leistungsempfänger rechnet die Umsatzsteuer in seiner Erklärung ab

EU-Kleinunternehmerregelung (§19a UStG)

Seit dem 01.01.2025 gilt auch die neue EU-KU-Regelung (§19a UStG):

  • Ermöglicht die Nutzung des Kleinunternehmerstatus in anderen EU-Ländern
  • Freiwillig — erfordert eine Registrierung
  • Gilt ausschließlich für innergemeinschaftliche Umsätze

Automatisierung von §13b-Rechnungen mit NiemieckaFaktura

Das manuelle Einhalten aller Anforderungen zu §13b, Freistellungsbescheinigung und Bauabzugsteuer ist aufwendig und fehleranfällig. NiemieckaFaktura ermöglicht die Automatisierung dieses Prozesses.

Was bietet die App?

  • Reverse Charge mit einem Klick aktivieren — beim Erstellen der Rechnung einfach die Option Steuerschuldnerschaft anwählen
  • Automatische Rechnungsanpassung: Die App setzt automatisch 0% MwSt. und fügt den erforderlichen Pflichthinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers gemäß §13b UStG" ein
  • Korrektes Format — Rechnung konform mit ZUGFeRD 2.3, GoBD und §14 UStG
  • Freistellungsbescheinigung verfolgen: Hinterlegen Sie das Ablaufdatum des Zertifikats, und die App erinnert Sie rechtzeitig an die Verlängerung
  • Steuerschuldnerschaft verwalten: Dokumente und Gültigkeitsdaten an einem Ort
  • Abschlagsabrechnung für Bauprojekte — Abschlagsrechnungen und Schlussrechnungen mit automatischem Abzug bisheriger Zahlungen

📘 Schritt für Schritt: §13b-Rechnung in NiemieckaFaktura ausstellen — 6-Schritte-Tutorial: Freistellungsbescheinigung, Kundenkennzeichnung, automatische PDF-Angaben.


Zusammenfassung

ThemaKernaussage
Reverse ChargeDer Leistungsempfänger schuldet die Umsatzsteuer statt des Leistungserbringers
Voraussetzungen §13bBauleistungen + Leistungsempfänger ist Bauunternehmer (10%-Grenze) + B2B
Bauabzugsteuer15% Einbehalt vom Rechnungsbetrag (§48 EStG)
FreistellungsbescheinigungBefreiung von der Bauabzugsteuer, Gültigkeit bis zu 3 Jahre
Rechnung §13b0% MwSt. + Pflichthinweis
§19 vs §13b§13b hat Vorrang vor der Kleinunternehmerregelung

Quellen

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