Cookie-Einstellungen

Wir verwenden technisch notwendige Cookies für den Betrieb der Anwendung. Optionale Cookies (Fehlermonitoring und Marketing-Analytics) helfen uns, die App zu verbessern und die Wirksamkeit unserer Werbung zu messen. Mehr erfahren

Notwendig– Authentifizierung, Sitzung, Sprache
Optional– Sentry, Google Analytics, Meta Pixel
DSGVO-konform
NiemieckaFaktura
SteuernBauwesen

Freistellungsbescheinigung — Wozu und wie beantragen

Was ist die Freistellungsbescheinigung, warum verlieren Sie ohne sie 15% jeder Baurechnung und wie Sie das Zertifikat beim Finanzamt beantragen.

9 min Lesezeit

Was ist die Bauabzugsteuer? (§48 EStG)

Wenn Sie ein Bauunternehmen in Deutschland betreiben, müssen Sie den Begriff Bauabzugsteuer kennen. Es handelt sich um einen Steuerabzug bei Bauleistungen, geregelt in §48 EStG (Einkommensteuergesetz), der die Interessen des deutschen Fiskus sichern soll.

Wie funktioniert die Bauabzugsteuer?

Das Prinzip ist einfach, aber für den Auftragnehmer schmerzhaft:

  • Der Auftraggeber behält 15% des Bruttobetrags von jeder Rechnung für Bauleistungen ein
  • Den einbehaltenen Betrag führt er direkt an das Finanzamt des Auftragnehmers ab
  • Der Auftragnehmer erhält nur 85% des Rechnungsbetrags
  • Der einbehaltene Betrag wird auf die Steuerschuld des Auftragnehmers angerechnet

Welche Leistungen betrifft es?

Die Bauabzugsteuer gilt für alle Bauleistungen, also:

  • Herstellung von Bauwerken
  • Instandsetzung und Wartung
  • Umbau und Modernisierung
  • Änderung der Bausubstanz
  • Beseitigung (Abriss) von Bauwerken

Praxisbeispiel

Sie stellen eine Rechnung über 10.000 EUR für Renovierungsarbeiten. Der Auftraggeber hat keine Freistellungsbescheinigung von Ihnen erhalten. In diesem Fall:

PositionBetrag
Rechnungsbetrag10.000 EUR
Bauabzugsteuer-Einbehalt (15%)-1.500 EUR
An den Auftragnehmer ausgezahlt8.500 EUR

Die 1.500 EUR gehen an das Finanzamt. Sie bekommen sie erst bei der Jahressteuererklärung zurück — das kann Monate dauern.


Was ist die Freistellungsbescheinigung? (§48b EStG)

Die Freistellungsbescheinigung ist ein vom Finanzamt ausgestelltes Zertifikat zur Befreiung von der Bauabzugsteuer gemäß §48b EStG. Wenn Sie eine gültige Bescheinigung besitzen und diese dem Auftraggeber vorlegen, zahlt dieser den vollen Rechnungsbetrag — ohne den 15%igen Einbehalt.

Der Name ist lang und sperrig, aber seine Bedeutung ist entscheidend: Es ist Ihr Schlüssel zu vollständigen Zahlungen für Bauleistungen in Deutschland.

Was enthält die Bescheinigung?

  • Daten des Auftragnehmers (Firmenname, Anschrift, Steuernummer)
  • Bescheinigungsnummer
  • Ausstellungsdatum
  • Gültigkeitsdatum (Gültig bis)
  • Information über die Befreiung von der Bauabzugsteuer

Wer braucht eine Freistellungsbescheinigung?

Kurz gesagt: Jedes Bauunternehmen, das in Deutschland tätig ist.

Das betrifft:

  • Deutsche Unternehmen (GmbH, Einzelunternehmen, GbR)
  • Polnische Unternehmen, die Arbeitnehmer nach Deutschland entsenden
  • Polnische Einzelunternehmer, die in Deutschland registriert sind
  • Jeden Subunternehmer in der Baubranche

Ohne Freistellungsbescheinigung ist der Auftraggeber gesetzlich verpflichtet, 15% einzubehalten — hier gibt es keinen Verhandlungsspielraum oder mündliche Vereinbarungen. Es ist eine gesetzliche Pflicht.

Hinweis: Viele Auftraggeber in Deutschland verlangen die Vorlage der Freistellungsbescheinigung vor Vertragsabschluss. Ohne sie bekommen Sie möglicherweise gar keinen Auftrag.


Freistellungsbescheinigung beantragen — Schritt für Schritt

Schritt 1: Zuständiges Finanzamt ermitteln

Den Antrag stellen Sie beim Finanzamt, das für den Sitz Ihres Unternehmens in Deutschland zuständig ist. Wenn Ihr Unternehmen in Polen registriert ist, Sie aber Bauleistungen in Deutschland erbringen, ist das Finanzamt am Ort Ihrer Tätigkeit oder Betriebsstätte zuständig.

Schritt 2: Antrag vorbereiten

  • Formular: USt 1 TG (Antrag auf Erteilung einer Freistellungsbescheinigung)
  • Erforderliche Angaben: Steuernummer, Unternehmensdaten, Art der Geschäftstätigkeit

Schritt 3: Antrag einreichen

Sie haben mehrere Möglichkeiten:

  • ELSTER (elektronisches Portal) — der schnellste Weg
  • Post — traditionell, aber langsamer
  • E-Mail — einige Finanzämter akzeptieren E-Mail-Anträge
  • Telefonisch — in manchen Fällen genügt ein Anruf beim Finanzamt

Schritt 4: Prüfung abwarten

Das Finanzamt prüft, ob:

  • Das Unternehmen ordnungsgemäß registriert ist
  • Steuern fristgerecht entrichtet werden (keine Rückstände)
  • Steuererklärungen rechtzeitig abgegeben werden
  • Keine Ablehnungsgründe vorliegen (z.B. Rückstände bei der Umsatzsteuer)

Schritt 5: Bescheinigung erhalten

  • Bearbeitungszeit: in der Regel 2-4 Wochen
  • Die Bescheinigung kommt per Post oder ist elektronisch verfügbar
  • Prüfen Sie das Gültigkeitsdatum und notieren Sie es an einem sicheren Ort

Gültigkeit und Verlängerung

Gültigkeitsdauer

  • Die Freistellungsbescheinigung ist maximal 3 Jahre gültig
  • Sie kann auch projektbezogen ausgestellt werden (mit dem Enddatum des Projekts)
  • In der Praxis werden Bescheinigungen oft für 1-2 Jahre ausgestellt

Wann verlängern?

  • Stellen Sie den neuen Antrag 2-3 Monate vor Ablauf der aktuellen Bescheinigung
  • Warten Sie nicht bis zum letzten Tag — wenn die Bescheinigung abläuft, beginnt der Auftraggeber sofort mit dem 15%igen Einbehalt
  • Das Gültigkeitsdatum ist deutlich auf der Bescheinigung angegeben (Feld „Gültig bis")

Was passiert bei Ablauf?

  • Ab dem Tag des Ablaufs muss der Auftraggeber 15% einbehalten
  • Eine neue Bescheinigung wirkt nicht rückwirkend — Einbehalte für den Zeitraum ohne gültige Bescheinigung können Sie nicht zurückfordern (außer bei der Jahressteuererklärung)
  • Sie können Auftraggeber verlieren, die eine gültige Bescheinigung verlangen

Online-Verifizierung der Freistellungsbescheinigung

Warum ist die Prüfung wichtig?

Der Auftraggeber kann und sollte die Gültigkeit der erhaltenen Bescheinigung überprüfen. Der Grund ist einfach:

Wenn der Auftraggeber den vollen Rechnungsbetrag ohne Prüfung zahlt und sich die Bescheinigung als ungültig oder gefälscht herausstellt, haftet der Auftraggeber für die nicht einbehaltenen 15% — er muss sie aus eigener Tasche zahlen.

Wie prüfen?

  • Portal des BZSt (Bundeszentralamt für Steuern): www.bzst.de
  • Erforderliche Angaben: Bescheinigungsnummer, Steuernummer des Auftragnehmers
  • Die Prüfung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten
  • Ergebnis: Bestätigung der Gültigkeit oder Hinweis auf Ungültigkeit

Wann prüfen?

  • Vor der ersten Zahlung an einen neuen Auftragnehmer
  • Regelmäßig bei langfristiger Zusammenarbeit (z.B. vierteljährlich)
  • Nach Erhalt einer neuen Bescheinigung vom Auftragnehmer

Was passiert ohne Freistellungsbescheinigung?

Das Fehlen der Bescheinigung ist ein ernstes finanzielles Problem:

Für den Auftragnehmer

  • Der Auftraggeber behält 15% von jeder Rechnung ein
  • Sie erhalten nur 85% des Leistungswerts
  • Die einbehaltenen Beträge gehen an das Finanzamt
  • Sie können sie bei der Jahressteuererklärung zurückfordern — das dauert aber Monate
  • Liquiditätsprobleme: Sie haben Kosten für Material, Mitarbeiter, Subunternehmer — erhalten aber 15% weniger
  • Viele Auftraggeber verweigern die Zusammenarbeit ohne gültige Bescheinigung

Für den Auftraggeber

  • Pflicht zum Einbehalt und zur Abführung der 15% an das Finanzamt
  • Zusätzlicher Verwaltungsaufwand
  • Haftungsrisiko bei unterlassenem Einbehalt

Praxisbeispiel — Auswirkungen im Quartalsüberblick

Ein Bauunternehmen XYZ stellt monatliche Rechnungen über insgesamt 50.000 EUR. Ohne Freistellungsbescheinigung:

MonatRechnungsbetrag15% EinbehaltAuszahlung
Januar50.000 EUR7.500 EUR42.500 EUR
Februar50.000 EUR7.500 EUR42.500 EUR
März50.000 EUR7.500 EUR42.500 EUR
Q1 Gesamt150.000 EUR22.500 EUR127.500 EUR

22.500 EUR über ein Quartal gebunden — ein Betrag, der über das Überleben des Unternehmens entscheiden kann.


Freistellungsbescheinigung vs. §13b UStG (Reverse Charge) — der wichtige Unterschied

Dies ist einer der häufigsten Verwirrungspunkte bei Bauunternehmern. Freistellungsbescheinigung und Reverse Charge sind zwei völlig verschiedene Mechanismen! Eine ausführliche Erklärung des Reverse-Charge-Verfahrens finden Sie im Artikel §13b UStG — Reverse Charge im Bauwesen.

§13b UStG — Reverse Charge (Umkehr der Steuerschuldnerschaft)

  • Betrifft die Umsatzsteuer (MwSt.)
  • Regelt, wer die Umsatzsteuer schuldet — der Leistungsempfänger statt des Leistungserbringers
  • Der Auftragnehmer stellt eine Rechnung ohne Umsatzsteuer (0%)
  • Der Auftraggeber führt die Umsatzsteuer selbst an das Finanzamt ab
  • Rechtsgrundlage: §13b UStG

§48b EStG — Freistellungsbescheinigung (Befreiung von der Bauabzugsteuer)

  • Betrifft die Einkommensteuer
  • Regelt, ob der Auftraggeber 15% als Steuervorauszahlung einbehält
  • Mit Bescheinigung: Auftraggeber zahlt 100% der Rechnung
  • Ohne Bescheinigung: Auftraggeber behält 15% ein und führt sie an das Finanzamt ab
  • Rechtsgrundlage: §48 und §48b EStG

Vergleich

Merkmal§13b UStG (Reverse Charge)§48b EStG (Freistellungsbescheinigung)
SteuerartUmsatzsteuer (MwSt.)Einkommensteuer
Was wird geregeltWer die MwSt. abführtOb 15% Vorauszahlung einbehalten wird
Steuersatz0% MwSt. auf der Rechnung15% Einbehalt vom Bruttobetrag
Rechnungsvermerk„§13b UStG"Nummer der Freistellungsbescheinigung
Wer benötigt esB2B-Subunternehmer im BauwesenJeder Erbringer von Bauleistungen

Beide Mechanismen können gleichzeitig gelten!

Auf einer einzigen Baurechnung können beide Elemente vorkommen:

  • Rechnung mit Reverse Charge (§13b UStG) — ohne Umsatzsteuer
  • Auftragnehmer besitzt eine gültige Freistellungsbescheinigung — ohne 15% Einbehalt

Ein Bauunternehmen braucht BEIDES: die korrekte Anwendung des §13b auf Rechnungen UND eine gültige Freistellungsbescheinigung, damit der Auftraggeber keine 15% einbehält.


Wie NiemieckaFaktura bei der Verwaltung der Freistellungsbescheinigung hilft

Gültigkeitsdaten überwachen, korrekte Vermerke auf Rechnungen und Ordnung in den Dokumenten — all das kann überwältigend sein, besonders wenn Sie ein Bauunternehmen führen und sich auf die Auftragsabwicklung konzentrieren.

Was bietet die App?

  • Feld für das Ablaufdatum der Freistellungsbescheinigung in den Firmendaten — einmal eingeben, immer griffbereit
  • Automatische Erinnerungen vor Ablauf der Bescheinigung — Sie verpassen keinen Verlängerungstermin
  • Korrekte Vermerke auf der Rechnung — §13b UStG und Freistellungsbescheinigung-Nummer auf einem Dokument. Alle Pflichtangaben einer Rechnung erläutert unser Leitfaden Rechnung in Deutschland ausstellen
  • Reverse Charge mit einem Klick — die App setzt automatisch 0% MwSt. und fügt den erforderlichen Pflichthinweis ein
  • Abschlagsabrechnung für Bauprojekte — Abschlagsrechnungen und Schlussrechnungen mit automatischem Abzug
  • Konformität mit ZUGFeRD 2.3 und GoBD — Ihre Rechnungen erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen

Riskieren Sie nicht den Verlust von 15% bei jeder Rechnung. Erstellen Sie ein Konto bei NiemieckaFaktura und sorgen Sie dafür, dass Ihre Dokumente immer in Ordnung sind.


Zusammenfassung

ThemaKernaussage
Bauabzugsteuer15% Einbehalt vom Rechnungsbetrag für Bauleistungen (§48 EStG)
FreistellungsbescheinigungBefreiungszertifikat von der Bauabzugsteuer (§48b EStG)
Wer braucht sieJedes Bauunternehmen in Deutschland — deutsch und ausländisch
Wie beantragenAntrag USt 1 TG beim Finanzamt (ELSTER, Post, E-Mail)
GültigkeitMax. 3 Jahre, Verlängerung 2-3 Monate vor Ablauf beantragen
VerifizierungBZSt-Portal — Auftraggeber sollte die Gültigkeit prüfen
Ohne BescheinigungSie erhalten nur 85% des Rechnungsbetrags
Vs. Reverse ChargeZwei VERSCHIEDENE Mechanismen — Sie brauchen beide

Quellen

Verwandte Artikel

Bereit für einfache Rechnungsstellung?

NiemieckaFaktura automatisiert ZUGFeRD, GoBD und E-Mail-Versand.

Kostenlos starten